„Man läuft mit offenen Augen durchs Leben“ – Ein Gespräch mit Cornelia Schmitt, Associate Partnerin

von | 15. Juli 2026 | Allgemein, Know-How, News

Frau Schmitt, was hat Sie überhaupt dazu bewogen, ins Markenrecht zu wechseln?

Ganz ehrlich: Zufall.

Als ich studiert habe, gab es einen Schwerpunkt Markenrecht oder gewerblichen Rechtsschutz noch nicht, und als Student oder Studentin kannte man dieses Rechtsgebiet kaum. Während meiner Wahlstation im Referendariat bin ich bei einer internationalen Großkanzlei zufällig im Marken- und Wettbewerbsrecht gelandet. Das hat mir sofort so gut gefallen, dass ich mich nach dem Referendariat genau dort beworben habe – und zufällig war gerade eine Stelle im Markenrecht frei.

Es waren viele glückliche Zufälle. Heute mache ich das seit fast 25 Jahren – und ich habe meine Entscheidung keinen einzigen Tag bereut.

 

Was hat sich in diesen 25 Jahren für Frauen im Markenrecht verändert?

Ehrlich gesagt: gar nicht so viel. Das Markenrecht war schon immer deutlich weiblicher geprägt als beispielsweise das Patentrecht. Als ich angefangen habe, sind parallel zu mir zwei weitere Anwältinnen eingestiegen, und es gab bereits eine Partnerin im Markenrecht.

Das ist bis heute etwas, das ich an diesem Rechtsgebiet besonders schätze.

 

Was macht das Markenrecht für Sie so spannend?

Ich glaube, Markenrecht ist für Männer und Frauen gleichermaßen spannend – besonders, wenn man Freude an Marken, Ästhetik und Design hat.

An meine erste Markenrecherche erinnere ich mich noch genau: Sie war für Coca-Cola. Nach wenigen Monaten Berufserfahrung durfte ich die Marke freigeben – und wenig später begegnete sie mir in jedem Supermarkt.

Das war ein besonderer Moment. Zu sehen, welchen Einfluss die eigene Arbeit haben kann.

Als Markenrechtlerin läuft man wirklich mit offenen Augen durchs Leben. Man sieht Werbung, Marken und Slogans – und fragt sich automatisch: Könnte das eine Markenverletzung sein? Ist dieser Slogan wohl als Marke eingetragen?

Markenrecht begegnet mir jeden Tag.

 

Welche Eigenschaften braucht man, um im Markenrecht erfolgreich zu sein?

Vor Kurzem sagte jemand zu mir: „Markenrecht ist doch so schwammig.“

Dabei ist genau das ein Missverständnis.

Natürlich braucht man ein Gespür für Marken und eine gewisse Kreativität. Aber das allein reicht nicht. Eine Intuition ersetzt nicht die juristische Analyse. Man muss Rechtsprechung lesen, Entwicklungen über viele Jahre verfolgen und wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen.

Erst die Kombination aus Erfahrung, juristischer Expertise und wirtschaftlichem Verständnis macht gute Markenberatung aus.

 

Was fasziniert Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Dass sie so lebendig ist. Marken begegnen uns jeden Tag.

Besonders viel Freude macht es mir, Unternehmen von Anfang an zu begleiten – von der ersten Idee bis zum internationalen Markenauftritt.

Gemeinsam Strategien zu entwickeln, Risiken frühzeitig zu erkennen und anschließend zu erleben, dass diese Strategien erfolgreich funktionieren, ist bis heute einer der schönsten Teile meiner Arbeit.

 

Gab es Menschen, die Sie besonders geprägt haben?

Ja, natürlich.

Ein Mentor hier in der Kanzlei hat mich besonders geprägt. Von ihm habe ich gelernt, wie wichtig es ist, in Verhandlungen nach Lösungen zu suchen – nicht nur Positionen zu verteidigen.

Aber gelernt habe ich auch von Richterinnen und Richtern, Kolleginnen und Kollegen und gegnerischen Anwälten. Am meisten lerne ich bis heute von meinen Mandanten.

Viele begleiten wir seit Jahrzehnten. Genau dieses Miteinander macht unseren Beruf so besonders.

 

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?

Ich würde es eigentlich gar nicht anders machen.

 

Welche Trends werden das Markenrecht verändern?

Natürlich die Künstliche Intelligenz.

Viele Prozesse lassen sich heute automatisieren – und das ist eine große Chance.

Dadurch bleibt mehr Zeit für das, was aus meiner Sicht den größten Mehrwert schafft: strategische Beratung.

Denn genau diesen Teil kann KI nicht ersetzen.

 

Welche Rolle spielen globale Entwicklungen?

Internationale Markenanmeldungen – insbesondere aus China – nehmen deutlich zu.

Gleichzeitig entstehen immer mehr Anbieter, die standardisierte Leistungen sehr günstig anbieten.

Sobald Markenstrategien komplex werden, brauchen Unternehmen jedoch weiterhin spezialisierte Beratung. Gerade darin liegt die Stärke unseres Berufs.

 

Was bedeutet Erfolg für Sie persönlich?

Erfolg bedeutet für mich vor allem, zufrieden mit dem zu sein, was ich tue.

Ich arbeite sehr gerne mit jungen Kolleginnen und Kollegen zusammen und begleite sie in ihrer Entwicklung.

Vor allem aber bedeutet Erfolg für mich das Vertrauen meiner Mandanten.

Wenn sie auf meinen Rat vertrauen und wir gemeinsam langfristige Lösungen entwickeln, dann ist das für mich der größte Erfolg.

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